Offizierslaufbahn: Offizier bei der Bundeswehr

©Bundeswehr/Steve Back
©Bundeswehr/Steve Back

Die Offizierslaufbahn gehört zu den beliebtesten Karrierewegen bei der Bundeswehr. Kein Wunder, denn der Job als Offizier ist wie kein anderer. Ob als Pilot eines Kampfflugzeuges, Zugführer in einer Panzerkompanie, nautischer Offizier auf einem Schiff oder Feldjägeroffizier, die Aufgaben und Tätigkeiten sind abwechslungsreich und vielfältig, aber auch fordernd und mit einer hohen Verantwortung verbunden. Vor allem aber ist der Beruf des Offiziers spannend und abwechslungsreich.

Jedoch kommt nicht jeder Bewerber in den Genuss, eine Karriere als Offizier bei der Bundeswehr einzuschlagen. Über 10.000 Bewerbungen gab es 2017 für die Offizierslaufbahn, allerdings sind die Prüfplätze begrenzt. Maximal 6.300 Offizierbewerber können pro Jahr im Assessmentcenter für Führungskräfte der Bundeswehr in der Kölner Mudra-Kaserne getestet werden.

Bundeswehr Offizier: Soldat und Ausbilder

Offiziere bei der Bundeswehr sind vor allem für die Führung, Ausbildung und Erziehung ihrer Soldatinnen und Soldaten in den diversen Aufgabenbereichen der Streitkräfte verantwortlich. Dafür erfordert es besondere Menschenkenntnisse, Durchsetzungsvermögen sowie fachliche Kompetenzen und pädagogische Fertigkeiten.

Als Offizier der Bundeswehr ist außerdem ein hohes Maß an Fürsorge gegenüber dem unterstellten Personal und Einsatzmittel erforderlich. In komplexen Situationen müssen Offiziere schnell sowie verantwortungsvoll handeln und vor allem richtige Entscheidungen treffen können, dass erfordert neben den fachlichen Kompetenzen und Führungsfähigkeiten, auch hohe körperliche Leistungsfähigkeiten.

Offizierslaufbahn: Ausbildung mit hohen Anforderungen

An Offiziere werden hohe Anforderungen gestellt, dementsprechend ist auch die Vorbereitung für die verantwortungsvollen Aufgaben intensiv. In der Offiziersausbildung lernen die Offiziere und Offizieranwärter daher, ihre Verpflichtungen und Herausforderungen sicher zu meistern. Neben dem akademischen Studium an einer der Universitäten der Bundeswehr erhalten die Anwärter für die Laufbahn der Offiziere, eine umfassende praxisorientierte militärische sowie fachspezifische Ausbildung.

Anforderungen:

  • Staatsangehörigkeit: Deutsche oder Deutscher im Sinne Art. 116 des Grundgesetzes;
  • Mindestalter: 17 Jahre (mit Einverständnis der Sorgeberechtigten);
  • Höchstalter: grundsätzlich 29 Jahre (konkret: das 30. Lebensjahr zum Zeitpunkt der Einstellung/Wiedereinstellung noch nicht vollendet wurde);
  • Schul-/Berufsausbildung: 
    1. Allgemeine Hochschulreife, 
    2. fachgebundene Hochschulreife, 
    3. Fachhochschulreife, 
    4. Mittlere Reife und eine anerkannte Berufsausbildung (für den Ausbildungsgang mit integriertem Studium zzgl. Nachweis über die nicht-schulisch erworbene Hochschul-/Fachhochschul-Zugangsberechtigung);
  • Mindestverpflichtungsdauer: 13 Jahre, 16 Jahre im fliegerischen Dienst, 17 Jahre im Sanitätsdienst.

Auswahlverfahren: Assessmentcenter für Führungskräfte der Bundeswehr

Für die Bewerber der Laufbahn der Offiziere findet das mehrtägige Auswahlverfahren im Assessmentcenter für Führungskräfte der Bundeswehr in Köln statt. Dort schaffen es nur die Besten der Besten eine Stelle als Offizieranwärter zu ergattern, denn sowohl die Prüf- als auch die Ausbildungsplätze sind pro Jahr stark begrenzt.

Im Auswahlverfahren müssen die angehenden Offiziere unterschiedlichste Stationen und Tests durchlaufen, wo sie entweder alleine oder in der Gruppe ihre Fähigkeiten aufzeigen müssen. Persönliche Gespräche und computergestützte Tests, in denen die Bewerber ihre charakterlichen sowie kognitiven Stärken präsentieren, sind ebenfalls fester Bestandteil des Auswahlverfahrens. Um den körperlichen Anforderungen der Bundeswehr gerecht zu werden, wird im Rahmen einer medizinischen Untersuchung und eines Basis-Fitnes-Tests, der Bewerber sprichwörtlich auf Herz und Nieren geprüft. Wurden alle Tests und Untersuchungen erfolgreich abgeschlossen, erfolgt zum Abschluss ein Gespräch mit dem zuständigen Einplaner, der auf Grundlage der erbrachten Leistungen und Fähigkeiten der Bewerber sowie dem bestehenden Bedarf eine Einstellung in die Laufbahn der Offiziere feststellt.

Ablauf Auswahlverfahren für Offizierbewerber: Der erste Schritt zum Offizier

Wer eine Karriere als Offizier bei der Bundeswehr anstrebt, benötigt nicht nur ausgeprägte Menschenkenntnisse, sondern muss auch über ein hohes Maß an Verantwortungsbewusstsein verfügen, logisch Denken können und Durchsetzungsvermögen haben. Da nicht jeder Bewerber den hohen Anforderungen  gerecht werden kann, prüft das Assessmentcenter für Führungskräfte der Bundeswehr bis zu 200 Offizierbewerber wöchentlich, um geeignete Nachwuchskräfte zu finden.

Jeder Bewerber der eine Einladung zum Auswahlverfahren für die Laufbahn der Offiziere erhalten hat, muss an der Wache zur Mudra-Kaserne in Köln vorbei. Rund 30 bis 40 Bewerber werden an einem Tag auf Eignung getestet.

Startschuss

Gegen Nachmittag beginnt der erste Teil des Assessments mit einem Einweisungsvortrag. Alle Offizierbewerber erhalten zusammen umfangreiche Informationen zu Organisation und Ablauf des Auswahlverfahrens.

Tipp: Die Nutzung von Handys oder sonstigen mobilen Endgeräten, ist während des gesamten Assessmentverfahrens verboten. Bei Nichteinhaltung droht der Ausschluss aus dem Bewerbungsverfahren.

Laufzettel und umfangreiche Informationen

Ist die Einweisung abgeschlossen, bekommt jeder Bewerber den so genannten Laufzettel zur Hand. Dort ist vermerkt, wo und wann jeder an den Prüfungstagen eingeplant ist. Die Bewerber, die noch eine Studienberatung erhalten, bekommen zusätzlich einen Studienberatungsbogen ausgehändigt. Dieser muss bis zum Folgetag ausgefüllt sein.

Biografischer Fragebogen (Bio-Bogen)

Den biografischen Fragebogen erhalten alle Bewerber. Darauf befinden sich rund zwanzig persönliche Fragen, zum Beispiel über Engagements, Nebenjobs oder gemeinnützige Tätigkeiten sowie Angaben zu Praktika oder Freizeitaktivitäten, die sofort beantwortet werden sollen. Des Weiteren möchte man wissen warum man Offizier werden möchte und wie man zu Auslandseinsätzen in Krisengebieten steht.

All diese Informationen sind im späteren Verlauf des Assessments für die Offiziere der Prüfkommission wichtig, denn so kann man sich über jeden Bewerber ein Überblick verschaffen und auf das bevorstehende Interview vorbereiten.

Wer nicht schon am ersten Tag aussortiert wurde, für den geht das Eignungsverfahren am zweiten Tag weiter. Ab jetzt muss jeder Bewerber seine besonderen Fähigkeiten unter Beweis stellen.

Der Aufsatz

Der zweite Tag des Assessments beginnt früh und startet mit einem Aufsatz. Hier müssen zwei Wortpaare bzw. Begriffe voneinander abgegrenzt werden. Damit soll man den Prüfern zeigen, dass man in der Lage ist, sich schriftlich ausdrücken zu können. Außerdem wird auch großer Wert auf die Grammatik und Rechtschreibung gelegt. Für den ganzen Aufsatz hat man 30 Minuten Zeit.

Ärztliche Untersuchung

Jeder Bewerber muss sich einer medizinischen Untersuchung unterziehen, um die gesundheitliche Eignung für die Offizierslaufbahn feststellen zu können. In der Voruntersuchung werden vom Amtsarzt Hör- und Sehvermögen getestet, Blutdruck gemessen sowie eine Urinprobe genommen für ein anschließendes Drogenscreening. Weiter werden das Gewicht und die Körpergröße vermerkt.

Nach der Voruntersuchung steht die ärztliche Untersuchung an. Zunächst wird über etwaige Vorerkrankungen gesprochen, bevor es dann zur körperlichen Untersuchung kommt. Im Vordergrund stehen hier die Untersuchung von Herz und Kreislauf, die Belastbarkeit von Gliedmaßen und die Begutachtung der Wirbelsäule.

Computertest – CAT-Test

Beim CAT-Test, Computerattestiertes-Testverfahren, werden die Bewerber je nach gewünschter Verwendung mittels unterschiedlicher Testverfahren am Computer geprüft. Der Computertest besteht größtenteils aus Multiple-Choice Fragen in den Bereichen Deutsch, Logik, Mathematik und Englisch.

Persönlichkeitstest – PMO

Der Persönlichkeitstest, auch unter der Abkürzung PMO (Persönlichkeitsmerkmale Offizier) bekannt, ist Teil des computerattestierten Testverfahrens und erfolgt direkt im Anschluss am PC. Der PMO besteht aus 116 Fragen, die recht zügig beantwortet werden müssen. Die Bewerber werden über ihre Persönlichkeitsmerkmale zu bestimmten Themen abgefragt. Antworten werden durch eine Kategorisierung von „Trifft zu“ bis hin zu „Trifft gar nicht zu“ eingestuft.

Mathe-Test

Der große Mathe-Test selbst, unterscheidet sich noch mal vom CAT-Test und prüft unter anderem Differential- und Integralrechnung, Flächen- und Volumenberechnung, Prozentrechnung, Formelumstellung und Dreisatz rechnen.

Gruppensituationsverfahren – GSV

Im Gruppensituationsverfahren wird die Verhaltensweise der Offizierbewerber in einer Gruppe getestet. Eine Gruppe besteht immer aus ca. drei bis fünf Kandidaten, die während des Verfahrens, durch drei Prüfer, unter ständiger Beobachtung stehen. Die Gruppe wird mit insgesamt drei verschiedenen Situationen konfrontiert.

-Krisenmanagement
Hier wird der Gruppe eine Krisensituation gegenübergestellt, die sie zu bewältigen hat. 

-Ressourcenknappheit
Eine begehrte Ressource reicht nicht für alle Gruppenmitglieder aus. Jeder hat aber den gleichen Anspruch darauf. Hier müssen Lösungen geschaffen werden.

-Kurzvortrag
Für den Kurzvortrag, den jeder Bewerber vor der Gruppe halten muss, gibt es 25 Minuten Vorbereitungszeit. Die Themen werden von der Prüfkommission bereitgestellt. Hier hat man in der Regel zwei Auswahlmöglichkeiten, die sich mit aktuellen Fragestellungen befassen. Der Kurzvortrag sollte nicht länger als 10 Minuten sein.

Interview

Wurde das Gruppensituationsverfahren von allen Kandidaten geschafft, folgt im Anschluss das Interview. Hier wird sich zeigen, wer zu den Besten gehört und ob ein Bewerber wirklich das Zeug zum Offizier hat.

Das Interview ist ähnlich wie ein klassisches Vorstellungsgespräch und soll in erster Linie dazu dienen mehr über den Menschen zu erfahren, der einem gegenübersitzt. Begleitet von einem Psychologen und einem Offizier, werden dem Bewerber unterschiedlichste Fragen zur Politik, Geschichte sowie aus dem aktuellen Tagesgeschehen gestellt. Des Weiteren liegen den Prüfern alle Informationen und Testergebnisse sowie der biografische Fragebogen vor, die sie unter Umständen mit in das Gespräch einfließen lassen.

Darüber hinaus möchte die Prüfkommission wissen, wie gut sich ein Bewerber mit der Bundeswehr und dem dazugehörige Aufgabenspektrum auskennt. Daher sind Fragen zur gewünschten Verwendung und dem Berufsbild der Bundeswehr fester Bestandteil des Interviews.

Erste Ergebnisse

Nach kurzer Rücksprache der Prüfkommission untereinander wird einem mitgeteilt, wie man sich geschlagen hat und ob man als Offizier geeignet ist oder nicht. Wer hier eine Zusage erhält, darf auch am nächsten Tag am Auswahlverfahren teilnehmen.

Nach dem ersten Prüfungstag ist bereits für einige Offizierbewerber Schluss im Auswahlverfahren, der Rest wird am dritten Tag in einem Sporttest noch einmal richtig gefordert.

Basis-Fitness-Test – BFT

Der Basis-Fitness-Test wird für alle Bewerber am frühen Morgen in der Sporthalle der Kölner Mudra-Kaserne stattfinden. Nach einer kurzen Aufwärmphase werden die Kandidaten in zwei Gruppen aufgeteilt. Die sportliche Eignungsfeststellung besteht aus drei Disziplinen: 11 x 10 Meter Pendellauf, Klimmhang und dem Fahrradergometer-Test.

-Pendellauf
Beim 11 x 10 Meter Pendellauf startet der Bewerber auf dem Bauch liegend von einer Matte und sprintet nach Startschuss zehn Meter bis zum Hütchen und wieder zurück. Angekommen geht es wieder in die Ausgangslage auf die Matte, Hände hinter den Rücken führen und wieder los sprinten. Das Ganze wird fünfmal gemacht und danach die Zeit gestoppt. Wird der Pendellauf unter einer Minute absolviert, hat man bestanden.

-Klimmhang
Die zweite Disziplin ist der Klimmhang, ausgeführt an einer Reckstange. Die Bewerber müssen im Klimmhang mit ihrem Kinn über die Stange mindestens fünf Sekunden ausharren. Dabei darf der Hals die Reckstange nicht berühren.

-Fahrradergometer-Test
Die dritte und letzte Disziplin in der Sportprüfung, der Fahrradergometer-Test. Hier müssen die Bewerber auf einem Fahrradergometer kräftig in die Pedale treten und eine Strecke von 3.000 Meter innerhalb von 6:30 Minuten zurücklegen.

Ergebnis

Sollte der Basis-Fitness-Test nicht bestanden werden, ist man nur derzeitig nicht als Offizier geeignet. Das heißt, innerhalb von sechs Monaten kann der Sporttest wiederholt werden.

Studienberatung

Ein Studienberater wird zunächst die schulischen Leistungen und die Ergebnisse des Mathe-Tests sowie des Computertests des Bewerbers in ein Programm eingeben, um ein individuelles Leistungsprofil zu erstellen. Dieses Ergebnis kann dann mit möglichen Studiengängen der Bundeswehr abgeglichen werden, um zu sehen, ob ein Bewerber für ein Studium geeignet ist oder nicht. So kann jeder Bewerber den Wünschen entsprechend zu seinem Studium beraten werden. Sollte dies nicht der Fall sein, werden alternative Studiengänge aufgezeigt.

Einplanung 

Mit der Einplanung endet auch das Auswahlverfahren im Assessmentcenter für Führungskräfte der Bundeswehr. Der Einplaner bespricht zunächst mit den Bewerbern, ob ihre Studien- und Karrierewünsche verwirklicht werden können. Hier gilt, nur die Besten erhalten die besten Angebote. Wer besonders gut im Mathe-Test abgeschnitten hat, hat beim Einplaner bessere Chancen für seine Wunschverwendung. Sollte es damit nicht klappen, bietet die Bundeswehr aber viele Möglichkeiten für ein Studium und kann Alternativen aufzeigen.

Fazit

Das Auswahlverfahren für die Laufbahn der Offiziere ist anspruchsvoll und mit hohen Anforderungen an die Bewerber verbunden. Nur wer Topergebnisse erzielt wird später auch seinen gewünschten Studienplatz erhalten. Eine akribische Vorbereitung auf alle Testteile ist also nicht nur zu empfehlen, sondern ein absolutes Muss, um sich gegen die vielen Konkurrenten durchsetzen zu können.

Einstellungen der Offizieranwärter

Für das Einstellungsjahr Jahr 2018 sind mehr als 10.500 Bewerbungen für die Offizierslaufbahn bei der Bundeswehr eingegangen und nur 6.300 Bewerber wurden zum Prüfungsverfahren nach Köln eingeladen. Am Ende durften sich insgesamt 2.270 angehende Offiziere glücklich schätzen, einen der begehrten Studienplätze bei der Bundeswehr zu bekommen.

Bewerbung

Für eine Bewerbung solltest du zuerst die Karriereberatung der Bundeswehr kontaktieren. Beachten bitte auch den grundsätzlichen Bewerbungsschluss zum 01.03. des Jahres, in dem du eingestellt werden möchtest! Du kannst dich aber auch schon 6 -12 Monate vor dem gewünschten Einstellungstermin bewerben. Je früher desto besser.

Weitere Informationen und die Voraussetzungen für eine Offizierslaufbahn findest du auf der offiziellen Karriereseite der Bundeswehr www.bundeswehrkarriere.de

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